Dienstag, 24. Juli 2012

Korfu Stadt, achtzehnter Tag

Der Nachteil von Hotels an einem abgelegenen Ufer ist das Fehlen von Nahversorgern mit Gütern des täglichen Bedarfs. Um den monopolistischen Forderungen der Eigentümerin zu entkommen, begeben wir uns zur venezianischen Altstadt von Korfu, die wir hastig mit knurrendem Magen durchqueren. Es scheint, dass die von uns ausgesuchte Bäckerei mit regionalen Spezialitäten sich absichtlich im Labyrinth der romantischen Gassen verbirgt. Dort angekommen, kann ich das erste Mal in meinem Leben eine Kirschenbaklava kosten, die ausnahmsweise nicht grausig süß ist. Schmackhaft ist auch die fruchtige Spezialität Korfus – Kumkwat. Die Pflanze wurde im XIX Jahrhundert aus Asien nach Europa importiert und wird bis heute nur noch hier sowie auf Sizilien angebaut. Gesättigt und etwas übersüßt machen wir uns auf den Weg. Aufgrund der Beschreibung im Guide gehen wir zum archäologischen Museum, welches antike Schätze verbirgt. Das heruntergekommene, graue, kantige Gebäude erscheint uns umso schrecklicher, als wir auf dem aus Metallstäben bestehenden Zaun eine Information über eine kurzzeitige Pause vom normalen Betrieb hängen sehen. Das Museum lädt schon im Jahr 2015 wieder ein!!! Da wir uns außerhalb des Zentrums befinden, begeben wir uns zum nahe gelegenen englischen Friedhof. Die Nachbarschaft eines Waldes verleiht diesem Ort der letzten Ruhe eine entsprechend düstere Aura. Wilde Orchideen, Fuchsien, Lilien und Farnblüten machen den Friedhof ebenfalls von der botanischen Seite interessant. Vom Wächter verabschiedet verlassen wir das Friedhofstor und begeben uns wieder in Richtung Innenstadt. Dabei können wir kleine, sandfarbene Häuser bestaunen, die entlang schmaler Gassen stehen, und zu einem gemütlichen Platz kommen, auf dem sich das mit Marmor bedeckte Rathaus befindet. Rundherum ist die exklusive Architektur der europäischen Kolonisatoren sichtbar. Die Alte Festung (Palaio Frourio) ist ein weiteres Andenken, das an die Eroberer der Insel erinnert. Wir erklimmen den Gipfel, auf dem starker Wind straflos unsere Frisur ruiniert. Für die Neue Festung, die eigentlich nur einige Jahrzehnte jünger ist als ihre Vorgängerin, reicht die Zeit nicht aus. Bevor wir wieder in den Wirbel des entzückenden, venezianischen Herzens der Stadt, Campiello, eintauchen, stoßen wir auf ein klassizistisches Überbleibsel der britischen Herrschaftszeit in Form des St.-Michael-und Georg-Palastes. Jetzt befindet sich dort eine Sammlung von asiatischer Kunst. Die letzte Sehenswürdigkeit auf unserer Liste ist die auf der Insel zweifellos wichtigste, nicht allzu große Kirche des Hl. Spyrydion – eines Geistlichen aus Zypern, der Schutzpatron der Insel geworden ist. Sein Leichnam ruht in einem silbernen, reich geschmückten Sarg, der ein paar Mal im Jahr geöffnet wird.
Zusammen mit der Nachmittagssonne verschwinden wir aus der Stadt, um noch genügend Zeit für ein erfrischendes Bad im schäumenden, salzigen Meer zu haben. 


The new citadel

Montag, 23. Juli 2012

Ankunft auf Korfu, siebzehnter Tag

Wir verabschieden uns von Albanien und Albanien verabschiedet sich von uns. Kurz vor der griechischen Grenze hüpft das Auto zum letzten Mal auf der holprigen Straße.
Im von der Krise geplagten Griechenland erwarten uns europäische Preise, künstliche Limonaden und das allgegenwärtige Englisch. Mit Wehmut sehe ich das immer näher rückende Ende unseres Urlaubs auf uns zukommen.
Nach Korfu gibt es ebenfalls eine Fährverbindung von Saranda aus, aber die bequemere und günstigere Alternative ist die Fähre aus dem griechischen Igoumenitsa. Vorort erfahren wir, dass wir anstatt in Korfu, in Lefkimi ankommen werden. Ich blättere schnell im Guide auf der Suche nach interessanten Plätzen entlang der Strecke zum Hostel. Die Wahl fällt auf einen durch die Venezianer errichteten Süßwassersee.
Die Aussicht ist etwas enttäuschend, aber dafür ist die Strecke durch Olivenhaine bezaubernd.
Uns erwartet noch eine Überraschung: Das zufällig ausgesuchte Hostel am Rande des Dorfes Pelekas entpuppt sich als ein Paradies direkt am Meeresufer. Wir wohnen im Jurassik Park. Das Fehlen der Dinosaurier bringt uns nur ein wenig wieder in die Realität zurück. Üppige Flora, Berge, Sandstrand und Wellen wie sie man sonst von der Ostsee kennt.
Korfu ist wunderschön. Das ist kein Mythos.


Sonntag, 22. Juli 2012

Gjirokaster, sechzehnter Tag

Aufgrund der Hitze Gjirokastras beschließen wir die Stadt mit dem Auto zu erkundschaften.
Nach der Ankunft versuchen wir zur Festung zu kommen, jedoch können wir den richtigen Weg nicht finden. Somit entscheiden wir uns einen Spaziergang durch die historische Altstadt zu machen, um die mit grauem Dachschiefer bedeckten Häuser von der Nähe bestaunen zu können. Ihnen verdankt Gjirokastra, die auf die Liste der UNESCO aufgenommen wurde, den Namen "Silberne Stadt". Wir gehen an einer Moschee aus dem XVII Jahrhundert vorbei und begeben uns weiter zu einer kleinen, runden Aussichtsplatform, von der man einen sehr guten Ausblick auf die Stadt hat. 
Das unausstehliche Wetter zwingt uns wieder ins Auto. Neben der wichtigen hisorischen Innenstadt verbergt Gjirokastra noch einige Perlen, die über die Stadt verteilt sind. Überall kann man mit dem Auto hinkommen, was aber teilweise nicht so einfach ist. 
Wir besuchen das Haus von Kadare, eines berühmten, gegenwärtigen albanischen Schriftstellers. Hilfreiche Einwohner helfen uns es zu finden, da es nicht gekennzeichnet ist. Dann begeben wir uns zum Ethnografischen Museum, das auch das Geburtshaus des albanischen Diktators ist. Zur Zeit des Kommunismus hat es das Museum des Kampfes und der Revolution beherbergt, welches hauptsächlich der Person Hoxha gewidmet war. Heute kann man dort den Innenraum eines altalbanischen Hauses einer wohlhabenden Familie bestaunen. Die Ausstellung besteht hauptsächlich aus Gegenständen des täglichen Bedarfs. Die nächste, noch prachtvollere Sehenswürdigkeit dieser Art auf unserem Weg ist das Haus Zekate, das ein sehr gutes Beispiel für albanische Baukunst ist. Es sieht aus wie ein kleines Berghaus, das auf die Spitze eines riesigen Turms gesetzt wurde. Von oben ruft uns der gastfreundliche Eigentümer. Nachdem wir seinen Garten passieren, gelangen wir ins Innere des Hauses. Dort informiert uns ein Zettel über den kostenpflichtigen Eintritt. Wir haben das schattige Haus eine Weile lang für uns alleine.
Die Festung heben wir uns zum Schluss auf. Wir sind nicht die einzigen, die sie mithilfe von Pferdestärken erklingen: auf dem Kopfsteinpflaster fahren Taxis voller Touristen hin und retour. Innen begrüßt uns eine himmlische Kühle der massiven Wände. Der dunkle Korridor, in dem sich eine Ausstellung von schweren Waffen hauptsächlich aus dem II Weltkrieg befindet, führt zum glühend heißen Hof. Von seinen Terrassen bestaunen wir das Stadtpanorama. Hier befindet sich auch ein amerikanisches Militärflugzeug, das 1957 in den albanischen Luftraum eingedrungen ist und zur Landung gezwungen wurde. Im östlichen Teil der Festung steht neben den Ruinen ein türkischer Uhrturm.
Am Weg zurück nach Saranda versuchen wir den Weg zum Blauen Auge zu finden - einer unterirdischen Wasserquelle, die aus 45 Metern Tiefe kommt. Wir fragen jeden angetroffenen Einheimischen um den Weg und fahren die Strecke um Bistrica auf und ab. Schlussendlich stellt es sich heraus, dass die Einfahrt lediglich mit dem albanischen Namen gekennzeichnet ist, Syri i Kälter, der uns vorher nicht bekannt war. Der Bach ist von einem grünen Wald umgeben. Das kristallklare, eisige Wasser hat einen grünlichen Farbton, der um die Quelle herum azurblau ist. Das Ganze sieht aus wie eine verflieste, blaue Grube inmitten eines Bergbachs. Wahrscheinlich war diese einzigartige Schönheit der Grund dafüf, dass während des Kommunismus dieser Ort nur von der Parteielite bestaunt werden konnte.

Altstadt in Gjirokaster

Samstag, 21. Juli 2012

Shpella Beach und Saranda, fünfzehnter Tag

Unseren Tag haben wir mit bitteren, gekochten, braunfarbigen Kräutern begonnen. Am Vormittag haben wir viele Stunden auf hölzernen Bänken im Schatten von Weinblättern verbracht. Die Terrasse unseres luftigen Hotels, das sich auf einem Hügel befindet, war ein angenehmer Ort, den wir jeden Tag nur ungern verlassen haben. Gleichzeitig hatten wir die Gelegenheit das Leben einer albanisch-griechischen Familie zu beobachten.
Den Großteil unseres heutigen Tages wurden wir vom blauen ionischen Meer begleitet. Eine kleine Verschnaufpause vom Sightseeing. Die Wahl fiel auf den Strand Shpela in der Ortschaft Libohova, die in der Nähe von Saranda liegt. Der Strand zieht sich lange der Küste entlang und die Farbe des Wassers ist unbeschreiblich schön.
Wir kommen nach Saranda zurück und begeben uns zur Festung. Von hier betrachten wir den Sonnenuntergang und können die ganze Gegend überblicken.
Es befindet sich dort ein Restaurant, das unter den Bewohnern Sarandas ziemlich beliebt ist.
Den Tag beenden wir mit einem Spaziergang auf der Promenade bis zur Ruine einer Synagoge aus dem VI Jahrhundert.


Unser Hotel

Freitag, 20. Juli 2012

Butrinti und Ksamil, vierzehnter Tag

Butrinti, das 1992 auf die Liste der UNESCO aufgenommen wurde, ist eines der wertvollsten Sehenswürdigkeiten Albaniens. Das sind die größten Reste einer antiken Stadt außerhalb Griechenlands und Italiens.
Im Guide wird noch vor der schrecklichen, 20 Kilometer langen Straße zwischen Saranda und Butrinti gewarnt. Momentan ist die Strecke nach einer Generalsanierung.
Butrinti befindet sich auf einer Halbinsel, ist aber mit keinem Schild gekennzeichnet. Der Eingang befindet sich gegenüber eines Parkplatzes bei der Fähre. Eine Fahrt mit der Fähre ist nicht nötig. Wir haben diesen Fehler gemacht, was uns Zeit kostete und uns erlaubte eine abgeschlossene Festung von Außen zu sehen, die so oder so vom anderen Ufer sehr gut sichtbar war.
Der Eintritt auf des Areal von Butrinti kostet 700 Lek, für Studenten 500 Lek. Es ist sehr ratsam beim Eingang um einen Plan zu bitten, da dieser bei der Besichtigung sehr hilfreich ist.
Butrinti entstand im VI Jahrhundert BC. Die Stadt wurde von den Griechen, Römern, der Byzanz beherrscht. Dann verlor sie an Bedeutung bis sie in das Eigentum der Venezianer überging.

Der Komplex Butrinti zählt 14 Objekte, die sich auf einem 86 km² großen Areal befinden. Die mit einem Wald bedeckte Halbinsel Butrinti, das vom Butrintisee und dem Korfu Kanal umgeben ist, schafft eine unbeschreibliche Atmosphäre. Trotz seines Bekanntheitsgrades gibt es nur wenige Besucher. Dies erlaubt die antiken Sehenswürdigkeiten einsam und in Ruhe zu betrachten und verstärkt den Eindruck. Den dreistündigen Spaziergang beginnen wir beim venezianischen Turm auf dem XVI Jahrhundert.Wir kommen zu einem großen Komplex, das den Asklepios Tempel und das Amphitheater aus dem III Jahrhundert BC. Rechts befindet sich die alte Agora, die durch die Römer in das Forum Romanum umfunktioniert wurde. Weiter oben befindet sich die venezianische Burg, die vom XIV bis XVI Jahrhundert errichtet wurde. Ihr Keller beherbergt ein Museum, das die Geschichte von Butrinti zeigt. Als wir ankamen, war die Tür geschlossen, aber nach einigen Minuten Wartezeit kam ein Wächter mit einem Schlüssel und sperrte uns auf. Dann passierten wir das Löwen- und Seetor und kamen zu den Überresten einer christlichen Basilika aus dem VI Jahrhundert. Die Besichtigung beenden wir mit dem Baptisterium und einer römischen Villa aus dem V Jahrhundert.
Wir lassen den Tag ausklingen, indem wir im Licht der untergehenden Sonne am Strand Ksamil entspannen und im ionischen Meer baden.


Ferry

Donnerstag, 19. Juli 2012

Weg nach Saranda und Saranda, zwölfter und dreizehnter Tag

Zwei ruhige Tage sind hinter uns. Am Mittwoch haben wir langsam unser antikes Hostel verlassen, nachdem wir ein Frühstück samt zu süßen Tees erhalten hatten. Dann begaben wir uns auf eine mehrstündige Autofahrt, die über eine Kurvenreiche Strecke über tiefe Schluchten verläuft.
Nach Saranda führen zwei Wege: von Fier teilweise über eine Autobahn in Richtung Gjirokastra oder in Richtung Vlora der Küste entlang. Wir haben absichtlich den zweiten Weg gewählt. Aus Berat haben wir eine Abkürzung genommen, die im extrem schlechten Zustand war. Eigentlich war sie eher Geländewagentauglich und nicht für einen überladenen Mini-Van vorgesehen. Über diesen Weg kommen wir nach Fier. Ab hier ist der Straßenbelag bis nach Saranda in ziemlich gutem Zustand. Der Küstenabschnitt ist sehr schwierig, da er über die Berge verläuft, ist aber die Mühe wert. Die Aussicht ist gleichzeitig wunderschön und erschreckend: eine steile, kurvige Straße, die regelrecht über dem azurblauen ionischen Meer hängt.
Unterwegs sehen wir mehrere Bunker. Das ist ein Überbleibsel, das an den manischen Diktator Hoxha erinnert. Nachdem er die Beziehungen mit Jugoslawien, der UdSSR und China abgebrochen sowie das Land vom Rest der Welt isoliert hatte, hatte er panische Angst vor einer Invasion aus allen Himmelsrichtungen. Deshalb beschloss er 600 tausend Bunker im ganzen Land zu errichten, die jetzt hauptsächlich von Fledermäusen bewohnt werden. Ein Bunker war für circa vier Bürger vorgesehen. Hoxha hat ihre Wirksamkeit überprüft, indem er den Architekten in einem von ihnen beschießen lies. Momentan wird aus dem Entfernen der Bunker Kapital geschlagen, da das Geröll eines kleines Bunkers 300 Euro und eines großen bis zu 10.000 Euro wert ist!
Was kann man noch während der Reise durch dieses Land bemerken? Teddybären, die an Gerüsten von noch nicht fertiggestellten Häusern hängen. Nach dem Fall des außerordentlich strengen, albanischen Kommunismus sind die Menschen nicht nur zu ihrer religiösen Praktiken zurückgekehrt, aber auch zum Aberglauben. Die Plüschtiere sollen böse Kräfte fernhalten und vor einer Niederlage bewahren. Zwar fängt Albanien langsam an auf sicheren Beinen zu stehen, aber die luxuriösen Hotels sind nicht im Stande die Tatsachen zu überdecken: Das Land ist nach Moldavien der zweitärmste Staat in Europa. Die schlechte wirtschaftliche Lage schlägt sich in diesen Ritualen nieder. Die Bewohner werden von allem Bösen dieser Welt nicht nur durch Plüschtiere geschützt: Puppen, Knoblauch, Ziegenhörner und Fahnen sind auch beliebte Bewacher.
In Saranda kommen wir am Abend an. Eine Nächtigung müssen wir vor Ort suchen. Dies gestaltet sich nicht sehr schwierig: Schon bei der Stadteinfahrt hält uns unserer zukünftiger Gastgeber an. Wir wohnen in einem schönen, sauberen Haus mit Garten, das sich aber ziemlich weit vom Zentrum befindet.
Am nächsten Tag müssen wir uns an die neue Umgebung gewöhnen. Wir haben beschlossen hier fünf Tage zu bleiben, also haben wir es nicht eilig. Am Nachmittag trudeln wir endlich am Strand ein. Saranda ist der wichtigste Urlaubsort Albaniens. Unmittelbar am Meer befindet sich eine Fußgängerzone, bei der riesige Hotels wie Pilze aus dem Erdboden schießen. Die Strände sind nicht allzu groß und bestehen hauptsächlich aus Kieselstein, aber das ionische Meer hat einen Lob verdient: Das Wasser ist ziemlich klar, sehr sauber und hat eine wunderschöne Farbe. Das Klima ist auch zum Aushalten. Tagsüber weht ein starker Wind und abends ist es angenehm mild.


Way to Fier

Dienstag, 17. Juli 2012

Berat, elfter Tag

Albanien verbergt aber auch wunderschöne Sehenswürdigkeiten. Im Süden des Landes machen wir einen Stopp in Berat. Unser Hostel befindet sich in einem Gebäude aus dem XVII Jahrhundert, das während der Herrschaft des letzten albanischen Königs, Zogu I, im Besitz des Innenministers war. Das Haus besteht hauptsächlich aus Holz. Dicke Wände schützen vor der sommerlichen Hitze.
Die Einfahrt in die Stadt ist nicht sehr beeindruckend, aber schon nach wenigen Augenblicken breitet sich vor uns der historische Teil der Stadt aus: Gorica und Mangalem. Die weißen, mit braunen Fensterläden versehenen Häuser der Altstadt erstrecken sich auf beiden Ufern des Flusses Osum dem steilen Berghang entlang. Dank ihnen wurde Berat, genannt Stadt der tausend Fenster, zur Liste des UNESCO-Welterbes hinzugefügt.
Die Besichtigung der Stadt beginnen wir mit der Besteigung der Festung und Altstadt Kalaja. Unterwegs sehen wir die Junggesellen- und Königsmoschee sowie das Ethnographische Museum, das sich in einem alten albanischen Haus befindet. Hinauf führt eine steile, rutschige Straße. Der Eintritt in die Festung kostet 100 Lek (0,75 Euro). Um sie herum verläuft eine Stadtmauer, innerhalb der sich Fragmente der historischen Gebäude, die aus den Herrschaftszeiten der Illyrer bis zu den Türken stammen, sowie noch bewohnte Häuser befinden. Wir machen einen Spaziergang durch die Altstadt. Ich rate acht zu geben, wo man hintritt, da die Kanaldeckel fehlen. Unterwegs sehen wir die orthodoxe Kirche des Hl. Theodor, die sich zur Hälfte unter der Erde verbirgt, sowie das Onufri Museum, das die Ikonen des gleichnamigen und bedeutenden albanischen Malers beherbergt und sich in der alten orthodoxen Marienkirche befindet. Wir finden noch ein wenig Zeit, um uns die Ausstellung sowie das Interieur anzusehen. Der Eintritt kostet 200 Lek (1,50 Euro). Wir kommen zur orthodoxen Kirche der Dreifaltigkeit, die regelrecht an der Mauer der türkischen Zitadelle pickt. Am Rückweg gehen wir an der Weißen und Roten Moschee vorbei, wobei bei der zweiten nur das Minarett erhalten geblieben ist. Als wir wieder hinunter kommen, ist es schon dunkel. Unser Weg zurück zum Hostel führt uns über die beleuchteten, kleinen Gassen der Stadtteile Mangalem und Gorica.

View of Mangalem

Montag, 16. Juli 2012

Tirana, neunter und zehnter Tag

Der gestrige Tag brachte uns nicht allzu viele Eindrücke. Aus Kotor sind wir erst um 14 Uhr aufgebrochen. Nach Tirana hatten wir lediglich 200 Kilometer zu bewältigen, dennoch fuhren wir fast sechs Stunden im Schneckentempo.

Und endlich sind wir angekommen! Wir sind in Albanien! Auf diesen Augenblick wartete ich ein Jahr. Erste Bemerkungen: Es gibt hier wirklich lauter nicht fertiggestellte Häuser, die ein bewohnbares Erd- und ein Obergeschoss im Rohzustand haben, oder solche, die nur aus einem vor Jahren erbauten Gerüst bestehen. Es ist wirklich unheimlich verschmutzt: in Dörfern neben den Grundstücken, in den Vororten von Tirana, im Graben neben der Autobahn oder neben Mülleimern anstatt in ihnen. Es gibt hier wirklich viele kleine Grabsteine oder Kreuze entlang der Straße und Autofahrer fahren hier mit so einem Temperament, wie in Istanbul. Noch vor Tirana bleiben wir kurz in einem Stau stehen, der durch einen Unfall verursacht worden ist, der (aufgrund der Schäden am Fahrzeug) wahrscheinlich ein tödlicher war. Aus zwei Spuren werden auf einmal vier, die Fahrer quetschen sich durch den Stau durch und hupen ständig aufeinander. Ich bin auch davon überzeugt, dass ich bald die berühmten Bunker sehen werde. Den Tag beenden wir mit einem abendlichen Spaziergang durch Tirana in der Suche nach einem Abendessen.
In Tirana sind ausgetrocknete Springbrunnen ein Parkett für herumschwirrende, abgelaufene Zeitungen. In Tirana treffen wir Leute an, die ziellos stundenlang mit einem Schlauch den Gehsteig gießen. In der Umgebung von Tirana wehen stolz rote Fahnen, welche an Stangen befestigt sind, die aus gerade entstehenden Häusern herausragen. Über Tirana hängt ein Geruch von gegrillten Mais und man hört ständig jemanden Hupen. Die tiranische Straße akzeptiert alle: teure, schnelle Autos, bettelnde Kinder, streuende Hunde, faule Passanten mitten auf der Kreuzung. Tirana hat sicherlich gute Chancen für den Titel der hässlichsten Hauptstadt Europas, aber sie ist auch auf jeden Fall interessant und sicherlich unerlässlich, um den Rest des Landes kennenzulernen. Tirana muss man eine Chance geben. Junge Stadt, junges, neues Land. Alles befindet sich in Bau, alles in Eile. Blumen ziehen vor den Wänden in ein Gebäude ein, Möbel werden in Hallen ohne Fenster und Türen verkauft. 
Das Aussehen des Landes schlägt sich nicht auf dem der Menschen nieder: Auf den Straßen sind passende Schuhe zur Handtasche zu sehen sowie Röcke zu Blusen. Die Englische Sprache ist auch schon hier angekommen. Was zeichnet die Einzigartigkeit dieses Landes sehr gut aus? Die Sprache: Sie gehört der indoerupäischen Sprachfamilie an, ist aber alleine in ihrer Gruppe. So wie Albanien: Zwar in Europa, aber ein zweites Land wie dieses werden wir nicht finden.
Der heutige Tag wurde von merkwürdigen Geräuschen, die die Aufhängung macht, und der Unfähigkeit von ARBÖ-Mitarbeitern, die unter anderem nicht im Stande sind Tirana selber zu schreiben, begleitet. Dennoch haben wir es geschafft die Hauptstadt zu sehen und einen Ausflug nach Kruja zu machen.
Für den Anfang planen wir einen Besuch im National-Historischen-Museum, das sich auf dem Skanderbeg-Platz befindet. Die Fassade wird von einem revolutionären Mosaik unter dem Titel Albanien Allegorie des Staates und des Volkes geschmückt. Das Museum ist aber an Montagen geschlossen und deswegen Flanieren wir weiterhin durch die sehr heiße Innenstadt. Unterm Gerüst und einem grünen Netz versuchen wir ein Foto der Reiterstatue von Skanderbeg zu machen. Die einzige Seite, die nicht zugedeckt wurde, ist das Hinterteil. Wir schauen uns also schnell die Popos beider an und begeben uns zur Ethem-Bey-Moschee, die aus der Jahrhundertwende des XVIII und XIX Jahrhunderts stammt. Zur Zeit der Diktatur Hoxhas schaffte es Albanien das erste atheistische Land der Welt zu werden: Kirchen und Moscheen wurden geschlossen oder umgewidmet. Diese Moschee war aber das einzige offene sakrale Objekt im ganzen Land (aber nur für Ausländer). Wir gehen noch auf den Uhrturm, der sich in der Nähe befindet. Von hier aus haben wir einen sehr guten Ausblick auf den Skanderbeg-Platz.
Wir machen eine Pause mit Tirana und begeben uns nach Kruja. Hier wurde Skanderbeg geboren und hier begründete er seine Hauptstadt. Er ist ein Nationalheld, der im XVI Jahrhundert das Land gegen die Türken verteidigte. Die Stadt befindet sich auf einem Berghang. Sie sieht albanisch aus, sprich abschreckend. Zur Festung führt eine kleine Marktstraße. Man kann dort abgenütztes Gerümpel zu überhöhten Preisen erstehen. Das Objekt betreten wir durch ein Tor, die Mauern blieben unterschiedlich erhalten. Die Aussicht ist nicht überwältigend. Die Burg von Skanderbeg haben teilweise die Türken zerstört, den Rest gab ihr ein Erdbeben. Seit 20 Jahren steht dort eine Rekonstruktion, die das Skanderbeg-Museum beherbergt. Die übrigen Gebäude sind das Ethnografische Museum, ein türkisches Bad und eine Moschee.
Wir kommen zurück nach Tirana. Wir gehen einer der Hauptstraßen entlang, die hinter den Regierungsgebäuden beginnt und bei der Universität endet. Hinter der Kunstgalerie erwarten uns Stalin, Lenin ohne Hand und andere revolutionär eingestellte Statuen. Der nächste Punkt ist die Pyramide: Ein riesiges Monstrum, das ursprünglich als Mausoleum für Hoxha vorgesehen war. Momentan befindet es sich im anfänglichen Zerfallsstadium. Schlechter kann es nicht sein. Wir erreichen schlussendlich das Universitätsgebäude. Tirana ist abgehackt. Wir fahren weiter.


View of Sveti Stefan, Montenegro

Albania

Samstag, 14. Juli 2012

Kotor, achter Tag

Ein harter Tag ist hinter uns. Nach einer zur Hälfte nicht geschlafenen, letzten Nacht in Dubrovnik mussten wir einen Kampf mit der Eigentümerin des Hostels führen. Diese Frau, die wohl Stimmungsschwankungen hat, widerrief am Tag unserer Abreise unsere Reservierung, was sie eigentlich zum Abbuchen eines weiteren Geldbetrages für das Nichterscheinen im Hostel bemächtigen würde. Wir baten sie um eine Rechnung, sie aber geriet in Wut und befahl uns sofort das Hostel zu verlassen. Außerdem drohte sie uns mit dem Abschleppen unseres Autos, obwohl es an dem Platz stand, den ihre Eltern uns vor drei Tagen empfahlen. Schlussendlich gingen eben ihre Eltern unserer Bitte nach und wir können in Ruhe abreisen. Der Nachgeschmack bleibt. Wir verabschieden uns mit Dubrovnik, vielleicht ein für alle Mal, und brechen auf in Richtung Montenegro.
Kotor begrüßt uns mit sehr hilfreichen Menschen, Reihen von riesigen Palmen, einer unausstehlichen Hitze und einem günstigen Mittagessen. Der Strand in Kotor selber sieht nicht sehr ansprechend aus. Es befindet sich hier ein Hafen mit wunderschönen Segelschiffen. Sonnenbaden kann man auf einem schmalen Streifen Kiesstrand bei der Straße. Ich habe aber im Guide gelesen, das es in der Umgebung ein paar schöne Plätze gibt. Die Altstadt ist wiederrum sehr angenehm. Wir gelangen dorthin, indem wir durch das Seetor aus dem XVI Jahrhundert zum Platz der Oktoberrevolution gehen. Es befindet sich dort der Uhrturm, der Palast des venezianischen Statthalters und der Palast des Stadtrates. Wir gehen an der St. Clara Kirche vorbei und kommen auf einem Platz an, auf dem sich zwei orthodoxe Kirchen befinden: des Hl. Lukas aus dem XII Jahrhundert und des Hl. Nikolaus aus dem XX Jahrhundert. Hinter der Marienkirche gehen wir durch das Nordtor und sehen den breiten Skudrafluss. Wir richten unseren Blick auf die Stadtmauer, die über der Stadt sich den Berg hinaufziehen. Es ist schon nach 19 Uhr, aber dennoch entscheiden wir uns diesen anstrengenden Tag mit einer zweistündigen Wanderung über eine steile Treppe bis zum Gipfel zu beenden. Die Fortifikation wurde hauptsächlich von den Venezianer erbaut, die Arbeiten wurden im XVIII Jahrundert begonnen. Innerhalb der Stadtmauer, circa in der Mitte der Strecke, befindet sich die Gospe od Zdravlja Orthodoxe Kirche. Wir gelangen zum Gipfel, wo sich die Festung des Hl. Johannes befindet. Wir sind vollkommen fertig, aber das Panorama war es wert. Nach oben führt eine unregelmäßige, hohe Treppe. Es ist sehr steil. Ich rate nicht in der Mittagshitze rauf zu gehen, wenn die Sonne sehr stark scheint. Als wir runter gehen ist es schon dunkel. Wir gönnen uns noch ein Stück Kuchen und ein kühles Bier. Die Sankt-Tryphon-Kathedrale und den rest der Sehenswürdigkeiten sehen wir im Licht der Straßenlaternen.


View of Dubrovnik

Freitag, 13. Juli 2012

Dubrovnik, siebenter Tag

Heute hatten wir einen Tag des Faulenzens. Später aufstehen, langsam vorbereiten, sonnenbaden und schwimmen. Manchmal muss das sein.
Weniger aktive Tage kommen mir noch anstrengender vor. Schon am Weg in die Stadt falle ich eine Treppe runter und nach fünf Minuten in der Sonne fühle ich mich wie in der Hölle. Zufällig entdecken wir aber ein ruhiges Plätzchen. Wir versuchten zur St. Ignatius Kirche zu gelangen, die wir aufgrund einer Hochzeit gestern nicht von innen sehen konnten, und fanden stattdessen einen halbwilden Strand. Außen an der Stadtmauer befinden sich ein paar Felsen und eine kleine Treppe ins Meer. Wir setzen uns am Rande einer der Felsen und lassen unsere Füße über dem türkisfarbenen Wasser baumeln. Rundherum gleiten Schiffe und Motorboote. Meine Begleiter sind aber nicht von diesem Ort so begeistert wie ich. Nach zwei Stunden beschließen wir umzuziehen. Unterwegs besuchen wir die erwähnte Kirche, in die uns eine breite, barocke Treppe führt, und begeben uns zum überfüllten Strand. Wir finden einen freien Fleck, müssen aber über glühend heiße Steine zu ihm kommen. Wir legen unsere Strandtücher auf einen Haufen Tschickstümmel und genießen eine Aussicht voller halbnackter Hinterteile, Hautkrebskandidaten und halberotischer Posen für Fotos, die locker in Baywatch durchgehen könnten. Dies alles wird von Zigarettenrauch begleitet. Zum Glück überlassen uns unsere Landsleute ihren Sonnenschirm, was uns das Durchhalten am Strand leichter macht. In Ruhe schreibe ich hier diesen Eintrag. Pläne für den heutigen Abend? (Zu teures) Abendessen und (kitschige) Souvenirs. 



Sonntag, 8. Juli 2012

Weg nach Sarajevo, zweiter Tag

Nachdem wir unser Frühstück auf der schmutzigen Treppe unseres Hostels konsumiert hatten, brachen wir auf. In Zagreb machen wir noch einen kurzen Abstecher zum botanischen Garten, der grünen Oase mit Pflanzen aus aller Welt. Als nächstes begeben wir uns zum Mirogoj-Friedhof, der sich ein Stück von der Innenstadt befindet. Am besten ist es mit dem Auto oder mit dem Bus dorthin zu fahren. Dieser aus dem XIX Jahrhundert stammende Friedhof ist meiner Meinung nach ein Muss auf der Liste der Sehenswürdigkeiten in der kroatischen Hauptstadt. Schon die mit Efeu bewachsene äußere Mauer verschlägt den Atem. Der Friedhof befindet sich auf dem Gebiet der Sommerresidenz von Ljudevit Gaj. Viele kroatische Künstler und Politiker ruhen dort.

Um 11 Uhr brechen wir auf in Richtung Sarajevo. In Bosnien fahren wir eine längere Weile entlang des Flusses Vrbas. Die Aussicht ist atemberaubend: azurblauer Fluss und Berge im Hintergrund. Sogar die Nähe der Straße stört die Bosnier nicht daran hier ihren Sonntag Vormittag zu verbringen. Die nächste Überraschung ist der Wasserfall in Jajce. Wir machen eine kurze Pause.
Die darauffolgende Strecke liefert uns leider nicht mehr so viele Attraktionen. Langsam sind nicht verputzte Häuser, leere Hallen, Zeugnisse des Krieges in Form von durchlöcherten Mauern (vor allem in Travnik) und kleine Friedhöfe mit weißen Grabsteinen auf Hängen zu sehen. Die Fahrt beginnt sich zu ziehen. Das Navi weiß nicht was los ist. Die Karte sieht eine Autobahn vor, aber in der Realität sehen wir lauter Baustellen. Wir fahren im Schneckentempo. Erst kurz vor Sarajevo gibt es einen längeren Abschnitt (gebührenpflichtiger – € 2,50) Autobahn.

Sarajevo sehen wir nur am Abend. Morgen werden wir den ganzen Tag haben, um die Stadt näher kennenzulernen. Auf der Suche nach Essen kommen wir bis zum Zentrum. Dort erwartet uns Lärm und Gedränge. Wir fühlen uns wie in einer türkischen Kleinstadt. Über der Umgebung ragt eine Moschee und die Marktstände bieten dieselben Souvenirs an, die wir in Istanbul kauften. Die Restaurants sind voll. Es fällt uns schwer einen freien Tisch zu finden. Schlussendlich essen wir ein für den Balkan typisches Gericht: Burek. Das Essen ist sehr gut und günstig, aber der Ayran schmekt wie normales Naturjoghurt.
Wir gehen zu unserem Hostel am Hügel und beobachten von der Ferne die gerade anfangende Party in der Innenstadt. Wir schlafen ein, bewacht von drei Rottweilern.

botanischer Garten

Samstag, 7. Juli 2012

Zagreb, erster Tag

Schlussendlich fahren wir um 7 Uhr morgens aus Wien los. Wir brauchen für die Strecke mehr Zeit als vorgesehen, in Zagreb kommen wir erst kurz vor 13 Uhr an. Dank der Unterstützung von hilfreichen Polen schaffen wir es die relativ teure Autobahn in Slovenien zu umfahren. Die Umfahrung ist ziemlich kompliziert (Beschreibung siehe unten) und dazu hat das Auto unserer hilfsbereiter Landsleute eine Panne. Wir fahren alleine weiter. Wir kommen zum Ende der Autobahn, wo uns ein acht Kilometer langer Stau bis zur slovenisch-kroatischen Grenze erwartet. Dann stehen wir noch vor der Mautstelle, schon auf der Autobahn in Kroatien. 
Die Preise in Zagreb gehören nicht zu den niedrigsten, deswegen müssen wir in einem Hostel außerhalb des Zentrums bleiben. Zum Glück fahren die klimatisierten Straßenbahnen wirklich oft und wir brauchen nur 5 Minuten bis zur Innenstadt. Ein Ticket kostet 12 Kuna.
Die Besichtigung der Stadt fangen wir beim Hauptbahnhof an, der sich vis a vis vom Denkmal des ersten kroatischen Königs Tomislav befindet. Schon dort zeigt sich uns Zagreb von seiner schönen Seite. Unterwegs gehen wir durch den Tomislav-, Strossmayer- und Nikole-Subić-Zrinjskog-Park samt Kunstpavillon und Strossmayergalerie. Große Bäume und eine Reihe Springbrunnen erlauben uns eine kurze Pause von der Juli-Hitze. Auf diesem Weg gelangen wir zum Herzen der Stadt - dem Ban-Josip-Jelačić-Platz. Die blauen Straßenbahnen, die in kurzen Zeitabständen den Platz durchqueren, verleihen diesem Ort eine sprezifische Atmosphäre. Ihr modernes Design steht in einem guten Kontrast zum stämmigen Jelačić-Denkmal sowie der Fasaden aus der Zeit der K.-u.-K. Monarchie. 
Wir verlassen die Unterstadt und begeben uns rechts zur zagreber Kathedrale aus dem XIII Jahrhundert. In der Nachmittagssonne laufen wir durch die Straßen der Oberstadt. Es herrscht eine magische Stille, die Umgebung ist wie ausgestorben, es gibt weder Touristen noch Einheimische. Die Fensterläden der Häuser sind alle geschlossen. Die Einwohner verstecken sich vor der unausstehlichen Hitze. Wir erklimmen eine steile Treppe, die uns zum Wahrzeichen dieser Stadt führt - der St.-Markus-Kirche. Genauer gesagt ist das Wahrzeichen das wunderschöne, himmlisch bunte Dach der Kirche, dessen Dachziegel die Form des kroatischen Wappens einnehmen. Wir kommen zum Lotrščak-Turm, von wo wir das Stadtpanorama bewundern. Hier kommt auch aus der Unterstadt (genauer aus der Tomičeva Straße) die alle 10 Minuten verkehrende Standseilbahn, die aus dem XIX Jahrhundert stammt, an. Diese ähnelt der Seilbahn in Budapest. Dank ihr kann man sich den anstrengenden Weg über die steile Treppe ersparen. Wir begeben uns nach unten über die Strossmayer-Promenade und kommen zur Unterstadt zurück. Auf dem Weg zum Hostel sehen wir das Kroatische Nationaltheater, das Mimara-Museum und die Nationalbibliothek mit reizenden Eulenstatuen auf dem Dach.In Zagreb befinden sich ziemlich viele interessante Museen, wie z. B. das oben erwähnte Mimara-Museum, das eine riesige Kollektion von Gemälden beherbegt, oder das Museum für Naive Kunst, das wir aus Zeitnot nicht besuchen konnten. Das Museum ist an Wochenenden bis 13 Uhr geöffnet. 
Wir versuchen noch in den botanischen Garten zu kommen, aber dieser ist schon geschlossen. In unserem Guide fehlt die Information, dass im Sommer der Garten bis 19 Uhr geöffnet ist. Wir steigen also in die 6er Straßenbahn in Richtung Sopot (ist auch eine Stadt in Nordpolen) und fahren zu unserem Hostel. Das Ziel morgen heißt Sarajevo. 



Bahnhof

Let's go!

Laut Plan werden wir in fünf Stunden unsere Reise beginnen. Wie stehen die Chancen dafür? Eher schlecht. In der Wohnung sind nicht gepackte Taschen verstreut, der Reiseproviant ist nicht fertig und wir regenerieren unsere Kräfte nicht im Schlaf. Eher umgekehrt. Wir laufen nervös durch die Wohnung und kümmern uns um Dinge, die nichts mit unserer Reise zu tun haben, nur um das Gefühl zu haben, dass etwas weitergeht und wir unser Ziel noch erreichen können: In Zagreb um 10 Uhr ankommen. Ja, das ist die Richtung unseres diesjährigen Trips: der Balkan mit Schwerpunkt Albanien. Obwohl ich schon heute aufgrund der Anstrengung Kopfschmerzen bekommen habe und die angespannte Atmosphäre zu Wutausbrüchen führt, verspüre ich eine Mischung aus Glück und Ungeduld aufgrund der bevorstehenden Reise ins Ungewisse.