Donnerstag, 19. Juli 2012

Weg nach Saranda und Saranda, zwölfter und dreizehnter Tag

Zwei ruhige Tage sind hinter uns. Am Mittwoch haben wir langsam unser antikes Hostel verlassen, nachdem wir ein Frühstück samt zu süßen Tees erhalten hatten. Dann begaben wir uns auf eine mehrstündige Autofahrt, die über eine Kurvenreiche Strecke über tiefe Schluchten verläuft.
Nach Saranda führen zwei Wege: von Fier teilweise über eine Autobahn in Richtung Gjirokastra oder in Richtung Vlora der Küste entlang. Wir haben absichtlich den zweiten Weg gewählt. Aus Berat haben wir eine Abkürzung genommen, die im extrem schlechten Zustand war. Eigentlich war sie eher Geländewagentauglich und nicht für einen überladenen Mini-Van vorgesehen. Über diesen Weg kommen wir nach Fier. Ab hier ist der Straßenbelag bis nach Saranda in ziemlich gutem Zustand. Der Küstenabschnitt ist sehr schwierig, da er über die Berge verläuft, ist aber die Mühe wert. Die Aussicht ist gleichzeitig wunderschön und erschreckend: eine steile, kurvige Straße, die regelrecht über dem azurblauen ionischen Meer hängt.
Unterwegs sehen wir mehrere Bunker. Das ist ein Überbleibsel, das an den manischen Diktator Hoxha erinnert. Nachdem er die Beziehungen mit Jugoslawien, der UdSSR und China abgebrochen sowie das Land vom Rest der Welt isoliert hatte, hatte er panische Angst vor einer Invasion aus allen Himmelsrichtungen. Deshalb beschloss er 600 tausend Bunker im ganzen Land zu errichten, die jetzt hauptsächlich von Fledermäusen bewohnt werden. Ein Bunker war für circa vier Bürger vorgesehen. Hoxha hat ihre Wirksamkeit überprüft, indem er den Architekten in einem von ihnen beschießen lies. Momentan wird aus dem Entfernen der Bunker Kapital geschlagen, da das Geröll eines kleines Bunkers 300 Euro und eines großen bis zu 10.000 Euro wert ist!
Was kann man noch während der Reise durch dieses Land bemerken? Teddybären, die an Gerüsten von noch nicht fertiggestellten Häusern hängen. Nach dem Fall des außerordentlich strengen, albanischen Kommunismus sind die Menschen nicht nur zu ihrer religiösen Praktiken zurückgekehrt, aber auch zum Aberglauben. Die Plüschtiere sollen böse Kräfte fernhalten und vor einer Niederlage bewahren. Zwar fängt Albanien langsam an auf sicheren Beinen zu stehen, aber die luxuriösen Hotels sind nicht im Stande die Tatsachen zu überdecken: Das Land ist nach Moldavien der zweitärmste Staat in Europa. Die schlechte wirtschaftliche Lage schlägt sich in diesen Ritualen nieder. Die Bewohner werden von allem Bösen dieser Welt nicht nur durch Plüschtiere geschützt: Puppen, Knoblauch, Ziegenhörner und Fahnen sind auch beliebte Bewacher.
In Saranda kommen wir am Abend an. Eine Nächtigung müssen wir vor Ort suchen. Dies gestaltet sich nicht sehr schwierig: Schon bei der Stadteinfahrt hält uns unserer zukünftiger Gastgeber an. Wir wohnen in einem schönen, sauberen Haus mit Garten, das sich aber ziemlich weit vom Zentrum befindet.
Am nächsten Tag müssen wir uns an die neue Umgebung gewöhnen. Wir haben beschlossen hier fünf Tage zu bleiben, also haben wir es nicht eilig. Am Nachmittag trudeln wir endlich am Strand ein. Saranda ist der wichtigste Urlaubsort Albaniens. Unmittelbar am Meer befindet sich eine Fußgängerzone, bei der riesige Hotels wie Pilze aus dem Erdboden schießen. Die Strände sind nicht allzu groß und bestehen hauptsächlich aus Kieselstein, aber das ionische Meer hat einen Lob verdient: Das Wasser ist ziemlich klar, sehr sauber und hat eine wunderschöne Farbe. Das Klima ist auch zum Aushalten. Tagsüber weht ein starker Wind und abends ist es angenehm mild.


Way to Fier
Way to Saranda













Beach in Saranda

View of Saranda















  









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